Falsche Spinnmilbe (Brevipalpus)
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Da die "Orchideenmilben" sehr klein sind, kann man den Befall häufig erst in fortgeschrittenem Stadium erkennen. Zunächst werden die älteren Blätter erst stumpfgrün, an der Unterseite sind dann eingesunkene Flecken sichtbar, blattoberseits silbrige Aufhellungen. Später färben sich befallene Blätter bronzefarben bis gelborange, die befallenen Stellen vernarben. Die Blätter vertrocknen häufig vom Rand her und fallen schließlich ab. Da auf der Blattunterseite keine Gespinste zu finden sind, spricht man auch von der falschen Spinnmilben. Anfällig für Befall mit Brevipalpus sind alle Orchideen-Arten. Überwiegend treten die Milben aber an Phalaenopsis, Doritaenopsis, Paphiopedilum und Masdevallia auf.
Aufgrund der extrem geringen Größe ist ein Ausbreiten der Milben nur den zunehmenden weißlichen Blattunterseiten zu erkennen. Die ausgesagten Zellen füllen sich mit Luft und schimmern daher weißlich. Mit zunehmenden Alter vertrockenen die Blätter, die luftgefüllten Zellen können keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen. Die Zellen werden orange, rötlich bis gräulich oder braun. Letztendlich vertrocknen die Blätter nach und nach und fallen ab.
Eng verwandt sind sie mit den Weichhautmilben, die fast farblos auch an sehr geschützten, versteckten Stellen unter Hüllblättern oder im Blattherz zu finden sind.
Brevipalpus, im Volksmund "Falsche Spinnmilben", "Unechte Spinnmilben" oder "Orchideenmilben" genannt, sind grün bis rötlich gefärbt, und befallen häufig Orchideen. Sie sind zwischen 0,25 und 0,3 mm klein. Wie bei allen Spinnentieren ist der Körper 2teilig, großer Körper und kleiner Kopf. Die für Spinnentiere üblichen 8 Beine sind zur Hälfte je nach vorne bezw. nach Hinten ausgerichtet.
Die 3 häufigsten Arten bei den Orchideen sind:
die Scharlachrote Teemilbe (Brevipalpus californicus Banks),
die Rote Gewächshausspinnmilbe (Brevipalpus obovatus Donn.)
die Orchideenspinnmilbe (Tenuipalpus pacificus Baker).
Die Vermehrung von Brevipalpis erfolgt sexuell durch Eiablage Die Weibchen legen ihre Eier meist an der Unterseite von Blättern oder an Trieben ablegen. Die Entwicklung verläuft über die Stadien Ei, Larve, Nymphe zu ausgewachsenen Tieren. Während der gesamten Entwicklung ernähren sich die Tiere von Pflanzensaft. Milben wie Brevipalpis pseudoaurantii (eine häufige Art) vermehren sich schnell, besonders bei warmen, trockenen Bedingungen, und können sich auch parthenogenetisch (Jungfernzeugung) vermehren, was ihre Populationsexplosion begünstigt.
Vermehrungszyklus:
Eiablage: Weibchen legen typischerweise 20–50 Eier einzeln oder in kleinen Gruppen an Blättern, oft in Gespinsten, ab.
Schlüpfen der Larve: Aus den Eiern schlüpfen sechsbeinige Larven, die sofort beginnen, Pflanzensaft zu saugen.
Entwicklung (Nymphe): Nach einigen Häutungen entwickeln sich die Larven zu achtbeinigen Nymphen, die ebenfalls saugen.
Adultes Tier: Nach weiteren Häutungen entstehen die erwachsenen Milben, die sich nun fortpflanzen können.
Besonderheiten:
Parthenogenese: Weibchen können sich ohne Befruchtung durch Männchen vermehren, was eine rasche Ausbreitung ermöglicht, besonders wenn keine Männchen vorhanden sind.
Wachstumsförderung: Bei günstigen Bedingungen (Hitze, Trockenheit) können Milben wie Brevipalpis sehr schnell viele Generationen pro Jahr entwickeln.
Spinnmilben müssen mit Akariziden bekämpft werden. Insektizide sind wirkungslos. Die Pflanzen müssen mehrfach in kurzen Zeitabständen mit wechselnden Wirkstoffen besprüht werden, da sich sehr schnell Resistenzen bilden. Die Kontrolle muß regelmäßig erfolgen und erst wenn die neuen Blätter für längere Zeit auch mit der Lupe keine Symptome mehr zeigen, kann man von einer erfolgreichen Behandlung sprechen.
Da die chemischen Möglichkeiten zur Bekämpfung von Spinnentieren und Milben immer kleiner werden, muß der Einsatz von biologischen Gegenspielern in Betracht gezogen werden. Brevipalpus kann besonders bei Phalaenopsis eine große Dynamik entwickeln und sich stark verbreiten. Brevipalpis reagiert aber empfindlich, sobald Gegenspieler dazu kommen. Eine sicherste und nachhaltigste Bekämpfungsmethode ist der Einsatz von Raubmilben. Brevipalpus sp. lassen sich hervorragend mit der Raubmilbe Amblyseius swirskii bekämpfen. Für den Anfang sollte eine "medium dosage" von 50 Tieren/m² ausreichen, eine Wiederholung alle 14 Tage gilt als optimal. Sollte der Bestand symptomfrei sein, kann eine low dosage", Ausbringung alle 4 Wochen zur Reinhaltung des Bestandes ausreichen. Sollten trotz der Vorbeugung wieder sichtbare Symptome auftauchen, sollte sofort eine "high dosage" von 100 Tiere/m² ausgebracht werden. Nach Erfahrungen von vielen Gärtnern ist der Einsatz von der Raubmilbe Amblyseius swirskii ist deutlich effektiver als chemische Behandlungen.
Was auch immer in diesen Mitteln, die Ende des 19 Jhdts. gegen Spinnmilben und Insekten angeboten wurde, enthalten ist, so können wir froh sein, das es heute nicht mehr im Einsatz ist. In einer Zeit, wo weder Handschuhe noch Masken benutzt wurden, kann man ohne weiteres davon ausgehen, das nicht nur Insekten und Spinnentiere bei Kontakt Probleme bekommen haben.